06.07.2018

CFOs börsennotierter und von Private Equity-Unternehmen benötigen unterschiedliche Kompetenzen

Von Dr. Ronald Roos, Assoziierter Manager der taskforce

Um Missverständnisse und Enttäuschungen zu vermeiden, sind bei der Auswahl des CFOs für Private Equity-Portfoliogesellschaften neben Persönlichkeit und fachlicher Expertise spezielle Anforderungen und Fähigkeiten zu berücksichtigen. 

Unterschiedliche Aufgaben und Ziele

Aufgaben des Managements einer Private Equity Portfoliogesellschaft sind die Steigerung des Unternehmenswertes und der Verkauf des Unternehmens. Für den CFO eines börsennotierten Unternehmens steht hingegen die Erhöhung der Börsennotierung im Vordergrund. Zwar werden auch am Kapitalmarkt Cashflow-Gesichtspunkte zunehmend wichtiger. Dennoch ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis immer noch die am meisten beachtete Kennzahl. Jährliche Ergebnisverbesserungen führen zur Steigerung des Börsenkurses. Die Aufgaben des „börsennotierten“ CFOs sind daher vergleichsweise stabil. Sein Fokus liegt auf Jahresabschlusserstellung, Finanzierung und Kapitalmarktkommunikation. Im Verhältnis zu PE-Portfoliogesellschaften agieren börsennotierte Unternehmen in relativ stabilen Umfeldern und verfügen über gewachsene Unternehmenskulturen mit eingespielten Teams. Die Aktionäre sind an einer stetigen Kursentwicklung bzw. nachhaltigen Dividende interessiert und nehmen in der Regel wenig Einfluss auf strategische und operative Entscheidungen. Die Bedeutung des Aufsichtsrats ist in den letzten Jahren zwar gestiegen. Allerdings ist sein Einfluss nicht mit dem von Aufsichtsgremien und Eigentümervertretern bei Private Equity Portfoliounternehmen vergleichbar.

Der Private Equity-CFO hat hingegen in aller Regel einen komplexen Change Prozess mit sich ständig ändernden Herausforderungen zu managen. Free Cashflow und EBITDA sind hier die wichtigsten Kennzahlen. Wertsteigerungen des Portfoliounternehmens basieren hauptsächlich auf strategischen und operativen Maßnahmen, in die der Private Equity CFO eng eingebunden ist. Private Equity-Gesellschaften legen die Strategie häufig bereits vor dem Unternehmenserwerb fest. Bei Strategieänderungen und bei wesentlichen Projekten begleiten sie den Vorstand eng und verfügen für die (Re-) Finanzierung oft über eigene Teams.

Im Portfoliounternehmen gibt es keine eingespielten Teams, die die Umsetzung der ambitionierten Ziele der neuen Eigentümer gewährleisten. Auch müssen Strukturen und Prozesse oft angepasst oder gänzlich neu aufgesetzt werden. In der Folge löst der tiefgreifende Wandel bei den Mitarbeitern regelmäßig Unbehagen aus.

Zentrale Aufgaben des Private Equity CFOs

  • Ausrichtung von Rechnungswesen, Controlling und Finanzierung auf die neue Strategie
  • Implementierung eines akkuraten und pünktlichen Reportings
  • Etablierung eines „Projekt Management Office“
  • Aufbau des Bankenreportings – Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen (Covenants)
  • Sicherstellung der Refinanzierungen - insb. Financial Modelling und Präsentation bei potentiellen FK-Gebern
  • Vorbereitung des Exits - insb. Financial Modelling und Präsentation bei potentiellen Erwerbern
  • Unterstützung des kulturellen Wandels

Zu Beginn der Zusammenarbeit und bei großen Herausforderungen sind enge Zusammenarbeit und regelmäßiger Austausch zwischen dem CFO und den Eigentümervertretern notwendig. Dabei gilt: Lieber zu viel als zu wenig kommunizieren, denn Überraschungen sind zu vermeiden.

Um das Vertrauen und den Respekt der Mitarbeiter zu gewinnen, muss der Private Equity CFO die Sprache des Unternehmens und seiner Mitarbeiter beherrschen. Er muss allen Beteiligten das Wertschöpfungskonzept klar verständlich vermitteln und als wichtiges Bindeglied zwischen den Eigentümern und dem Portfoliounternehmen beide Perspektiven verstehen.

Die Persönlichkeit des Private Equity CFO

Langjährige Führungstätigkeit in den Bereichen Jahresabschluss, Controlling bzw. Finanzierung sind unabdingbares Handwerkszeug. Essenziell sind der unbedingte Wille, Ziele zu erreichen, die Fähigkeit schnell und „Hands-On“ auf neue Entwicklungen zu reagieren, hohe Frustrationstoleranz sowie die Gabe den Wandel überzeugend zu vermitteln und umzusetzen. Der erfolgreiche Private Equity CFO hat eine große Nähe zum operativen Geschäft und kennt die wichtigen Mitarbeiter und ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg. In die Strategieentwicklung und wichtige Projekte ist er von Anfang an eingebunden.

Nach dem Eigentümerwechsel steht unvermeidlich der Finanzbereich im Fokus. Reportinginhalte, -formate und -zyklen verändern sich ab dem ersten Tag. Strukturen und Prozesse werden angepasst. Nicht alle Mitarbeiter sind Willens oder in der Lage, diesen Weg mitzugehen. Erfahrungsgemäß ist es unausweichlich, dass einzelne Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Mit ihrem Ausscheiden droht der Verlust wertvollen Wissens. Eine respektvolle und einfühlsame Vorgehensweise hat daher große Auswirkungen auf die Stimmung im Unternehmen, die Motivation der verbleibenden Mitarbeiter sowie die eigene Glaubwürdigkeit.

Am 19. Juli findet das zweite Private Equity breakfast der taskforce in München statt. Die Veranstaltung mit dem Thema „Wertbeitrag der IT zur Digitalisierung und ihre Risiken im Merge-Prozess“ ist für Beteiligungsgesellschaften sowie Führungskräfte aus dem IT-Bereich und Digitalisierungsverantwortliche interessant. Die Teilnehmerzahl für die Veranstaltung ist begrenzt. Melden Sie sich deshalb bitte bei Interesse an einer Teilnahme bei uns unter taskforce@taskforce.net.


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