02.05.2018

Die Kommunikation als Führungsinstrument des Interim Managers - Teil 4: Schwierige Gespräche meistern

Wenn Interim Manager gerufen werden, begegnen sie nicht selten Vorbehalten. Sowohl die unternehmenseigenen Manager-Kollegen als auch die involvierten Mitarbeiter haben jeweils ihre eigenen Erwartungen, Vorurteile oder auch Befürchtungen. Umso wichtiger ist es für interimistische Führungskräfte neben ihrer fachlichen Performanz auch ihre kommunikativen Fähigkeiten beständig weiterzuentwickeln. Denn gerade in Krisen- und Veränderungssituationen die Kommunikation jenes Quantum an Vertrauen und Motivation schaffen, ohne das viele Lösungen nur schwerlich zu erringen sind. Aus diesem Grund bringen wir in loser Folge einige praktische Tipps des Führungskräfte-Trainers René Borbonus.

 

Führungskräfte, die auf ein neues Team treffen, müssen in der Anfangszeit oft viele schwierige Gespräche führen. Wenn Mitarbeiter noch kein Vertrauen zu ihrem neuen Vorgesetzten gefasst haben oder unsicher sind, neigen sie dazu, schwierige und manchmal auch provokante Fragen zu stellen. Die folgenden Fragetypen kommen häufig vor – und jeder davon lässt sich in ein Sprungbrett für konstruktive Argumente verwandeln. 

Negative Fragen: „Warum machen wir nicht alles wie bisher?“

Negative Fragen können die Kompetenz des Gefragten oder die Sinnhaftigkeit einer Maßnahme infrage stellen. Sie sollten daher gute Gründe für Ihre Pläne anführen. Paraphrasieren Sie negative Fragen positiv, um sich ein Sprungbrett für Ihre Argumente zu schaffen: „Warum wir die Prozesse neu aufstellen?“

Aussagen statt Fragen: „Ich bin nicht sicher, ob sich dieser Aufwand lohnt.“

Mit solchen Fragen wird die Standfestigkeit des Gefragten geprüft. Wenn Sie nicht darauf eingehen, erwecken Sie den Eindruck, dass Sie selbst nicht überzeugt sind. Wandeln Sie solche Dialogbremsen in eine Frage um, die Sie zurück ins Gespräch bringt: „Welche Vorteile bringt uns diese Vorgehensweise?“   

Fragen, auf die Sie keine Antwort haben: „Können Sie einschätzen, wie sich das auf die Ausschussquote auswirkt?“ 

Wenn Sie die Antwort auf eine Faktenfrage nicht kennen, ist die Versuchung groß, sich irgendwie durchzumogeln. Tappen Sie nicht in diese Falle: Räumen Sie Ihre Unkenntnis ein oder bieten Sie an, die Antwort nachzuliefern – am besten auf sympathisch-humorvolle und vielleicht sogar selbstironische Weise. Sie müssen nicht alles wissen; Sie müssen nur eine relevante Antwort finden.

Fragen, die Sie nicht beantworten dürfen: „Wann ist die Fusion endlich durch?“

Wenn Sie zu einer Antwort nicht befugt sind, ist es wichtig, dass Sie nicht unbegründet ausweichen. Juristische Gründe, Wettbewerbsgründe, Sicherheitsgründe – jeder zutreffende Grund ist besser, als keinen Grund zu nennen. Dasselbe gilt bei spekulativen Fragen: Lassen Sie sich nicht unter Druck auf eine Antwort ein, sondern berufen Sie sich auf die Firmenvorschriften.

Mit welchen schwierigen Fragen Sie auch immer konfrontiert werden: Nichts ist schlimmer, als eine Frage zu ignorieren oder wegzulächeln, denn das wird vom Gesprächspartner und im Zweifel vom ganzen Team als respektlos wahrgenommen. Nehmen Sie jede Frage ernst und gehen Sie auf das Anliegen ein, das dahintersteckt. Antworten ist eine Frage des Respekts, und der ist die Grundlage einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.


Zurück