27.02.2018

Die Rede als wichtiges Führungsinstrument des Interim Managers

Wenn Interim Manager gerufen werden, begegnen sie nicht selten Vorbehalten. Sowohl die unternehmenseigenen Manager-Kollegen als auch die involvierten Mitarbeiter haben jeweils Ihre eigenen Erwartungen, Vorurteile oder auch Befürchtungen. Umso wichtiger ist es für interimistische Führungskräfte neben ihrer fachlichen Performanz auch ihre kommunikativen Fähigkeiten beständig weiterzuentwickeln. Denn gerade in Krisen- und Veränderungssituationen können überzeugende Reden und Präsentationen jenes Quantum an Vertrauen und Motivation schaffen, ohne das viele Lösungen kaum zu erringen sind. Aus diesem Grund bringen wir in loser Folge einige praktische Tipps des Führungskräfte-Trainers René Borbonus.

 

Teil 2 – Überzeugende Argumente formulieren

Wenn wir Menschen überzeugen wollen, kommt es nicht nur darauf an, was wir sagen. Eine große Rolle spielt auch, wie wir es sagen. So weit, so bekannt. Weniger geläufig ist die Tatsache, dass die Kunst des Argumentierens nicht erst in stilistischen Feinheiten beginnt, sondern schon bei der Grammatik. Etwas so Grundlegendes wie die falsche Zeitform kann Gespräche schwieriger machen. Umgekehrt hilft die richtige Zeitform, überzeugender zu argumentieren.

Die drei Kategorien menschlicher Kommunikation

Schon Aristoteles stellte fest, dass alle Themen menschlicher Kommunikation zu einer von drei Kategorien gehören: Schuld, Werte oder Wahl. Wie wir unsere Argumente formulieren hängt davon ab, auf welchem dieser drei Felder wir unbewusst gedanklich operieren. Nur ist das Feld, auf dem wir dann auch unsere Worte wählen, oft nicht jenes, um das es in diesem Gespräch eigentlich geht.

Vergangenheit: Gespräche über Schuld

Die Argumentation in der Vergangenheitsform nannte Aristoteles die „forensische Rhetorik“. Sie ist die richtige Wahl, wenn es darum geht zu klären, wer etwas getan hat – wer schuld ist. Deshalb wird sie regelmäßig vor Gericht verwendet. Wenn im Geschäftsalltag dagegen eine konstruktive Klärung oder Lösung eines Problems ansteht, sind Präteritum und Perfekt selten nützlich. Sie zielen nämlich stets auf die Schuldfrage und werden im Gespräch unterbewusst auch so wahrgenommen.

Gegenwart: Gespräche über Werte

Werden menschlich oder moralisch aufgeladene Themen wie z. B. Entlassungen oder eine inhaltliche Neuausrichtung diskutiert, geht es um Werte. Auch Lob, Kritik oder Abgrenzungsfragen wie „richtig oder falsch“ und „gut oder schlecht“ gehören in dieses Feld. Bei Aristoteles ist dieser Kategorie die „demonstrative Rhetorik“ zugeordnet. Argumente sollten stets im Präsens formuliert werden, wenn es in einem Konflikt um Werte geht. Verfällt der Gesprächspartner in Schuldzuweisungen – und damit in die Vergangenheit –, wechseln Sie in die Gegenwartsform, um Ihren Standpunkt sachlich darzulegen. 

Zukunft: Gespräche über Entscheidungen

Die meisten Gespräche im Business-Alltag gehören in die Kategorie „Wahl“, denn in der Regel ist das Ziel die Entscheidungsfindung. Dieser Kategorie entspricht bei Aristoteles die „deliberative Rhetorik“ und damit die Zukunftsform. Argumente, die im Futur formuliert sind, blicken inhaltlich und sprachlich nach vorn, also dahin, wo die Entscheidung und ihre Auswirkungen liegen: „Nur durch Neueinstellungen werden wir die gestiegene Nachfrage bedienen können.“

Fazit

Die Unterschiede zwischen den drei Zeitformen der Rhetorik können in einer Diskussion oder sogar im Konflikt über Erfolg oder Misserfolg, Lösungsfindung oder verhärtete Fronten entscheiden. Die Rhetorik der Vergangenheit, in der es um Schuld geht, droht Konsequenzen an. Die Rhetorik der Gegenwart kann dazu führen, dass Menschen sich annähern, birgt aber auch das Risiko der Trennung. Die Rhetorik der Zukunft bietet Aussicht auf eine gemeinsame Lösung. Bei den meisten Konflikten ist sie deshalb die Form der Wahl. 

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.rene-borbonus.de.


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