27.09.2018

Ohne die nötige Schubkraft heben Startups einfach nicht ab.

taskforce sprach mit Dr. Eric Weber, CEO und Mitgründer des SpinLab – The HHL Accelerator

Herr Dr. Weber, SpinLab ist laut einer aktuellen Studie der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH) einer der drei Top-Startup-Acceleratoren in Deutschland. Unseren herzlichen Glückwunsch dazu. Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Erfolgsfaktoren für eine professionelle und nachhaltig wirksame Unterstützung junger Unternehmen in der Startup-Phase?

An erster Stelle stehen da die eigene Glaubwürdigkeit und das Verständnis für die Startup-Welt mit all ihren Besonderheiten. Da wir selbst ein Startup sind - mit allen damit verbundenen Problemen und Vorteilen - wissen wir, wovon wir sprechen. Unser primäres Ziel ist es, Startups zum Erfolg zu verhelfen, und sie erst dann mit Konzernen zusammenzubringen. Wir arbeiten also genau anders herum als unsere Wettbewerber aus dem Konzernumfeld, bei denen es vor allem darum geht, dem Konzern zu helfen und die Startups dabei Mittel zum Zweck sind. Neben diesem grundsätzlich anderen Setup und unserem unternehmerischen Mindset benötigt man natürlich ein sehr gutes Netzwerk zu Startups, zu Unternehmen vom Konzern bis zum Mittelstand sowie natürlich zu erfahrenen Investoren. Auch hier haben wir einen entscheidenden Vorteil, da wir mit über 20 etablierten Unternehmen zusammenarbeiten von denen einige – wie die taskforce – selbst gut vernetzte Multiplikatoren sind.

Wie wählen Sie die Startups aus, die im SpinLab den oft entscheidenden „Boost“ nach vorne bekommen sollen?

Zunächst bewerben sich die Startups bei uns mit einer Präsentation, dem sogenannten Pitchdeck, und füllen zudem online einen Fragebogen aus. Unterstützt durch Mentoren und Partner wählen wir dann aus bis zu 250 Bewerbern circa 30 Finalisten aus. Jeder Bewerber bekommt übrigens ein qualifiziertes Feedback und wird von mindestens drei erfahrenen Juroren bewertet. Die Finalisten fliegen wir dann nach Leipzig ein, um sie persönlich kennenzulernen. Hier bei uns im SpinLab pitchen dann die Gründer, stellen sich den Fragen in großer Runde und führen Tiefeninterviews im kleinem Kreis. Auf diese Weise qualifizieren sich die besten Geschäftsmodelle für die Endauswahl. Unsere Bewertungskriterien sind vor allem Erfahrung, Motivation und Interdisziplinarität des Teams, der Innovationsgehalt und technologische Ansatz, Markt und Wettbewerb sowie der professionelle Gesamteindruck und Tragfähigkeit des Geschäftsmodells. Zudem schauen wir, dass sich mit unseren Partnern Pilotprojekte ergeben.

Was braucht es, um ein Startup zum Fliegen zu bringen und dann erfolgreich in der Luft zu halten?

Ganz wichtig sind natürlich die ersten Kunden, denn sie bringen sehr viel Feedback und Nutzer-Erfahrungen in die Produktentwicklung ein. Da haben wir in Deutschland noch deutliche Defizite, denn während viele Konzerne bereits Startup-Einheiten haben, ist vor allem unser sonst so starker Mittelstand deutlich zurückhaltender, wenn es darum geht, innovative Lösungen von Startups auszuprobieren. Und ohne Investoren geht natürlich gar nichts. Hier liegt das noch viel größere Problem, denn Startups in Deutschland sind im internationalen Vergleich vollkommen unterkapitalisiert. Hier wird noch viel zu sehr in kleinen Dimensionen gedacht. Es fehlt oft am notwendigen Kapital, um die Startups groß zu machen, dabei auch mal Fehler zuzulassen und sie dann schnell zu internationalisieren. Oder um in ihrem Bild zu bleiben: Ohne die nötige Schubkraft heben Startups einfach nicht ab.

Nach über drei Jahren Beschleunigungsarbeit im SpinLab: Welche Erfolgsgeschichten stechen für Sie aus der Menge der bislang über 51 Startups heraus?

Da gibt es sehr viele gute Beispiele. Unternehmen wie Sensape kamen zu zweit und sind heute mit über 30 Leuten weltweit aktiv. Auch replex, Rhebo, Flynex, Relax Commerce, tex-lock, Animus, XAIN, frag-paul, DIPAT und viele weitere haben sich bereits hervorragend entwickelt und jeweils eine zweistellige Anzahl an Arbeitsplätzen geschaffen, konnten große Kunden gewinnen. Einige unserer Startups arbeiten auch bereits profitabel oder haben sich entschieden ganz ohne Investoren durch Bootstrapping voranzukommen. Viele jüngere Startups kommen nach. Das freut uns auch für den Standort Leipzig, denn auch wenn nicht alle unsere Startups aus ganz Deutschland langfristig in Leipzig bleiben, gab es noch nie so eine breite und gute Frühphasen-Startup-Basis wie heute.

Die anfangs oft überbordenden Erwartungen an Startup-Unternehmen erinnern zuweilen an den Hype der „New Economy“ der 90er Jahre. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Unterschiede und was sind die Herausforderungen der Zukunft?

Damals gab es zwar das Internet, aber es hatte noch viel zu wenige Nutzer. Viele damalige Geschäftsmodelle waren aber reichweitenbasiert. Heute treffen solche Unternehmen auf eine Gesellschaft, in der 90 Prozent der Menschen regelmäßig online sind. Zudem werden die Geschäftsmodelle an sich immer komplexer. Ging es früher um eCommerce und Marktplätze, sind heute BigData, Business Intelligence, Internet of Things, Künstliche Intelligenz und vieles mehr die relevanten Themen. Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist einfach viel mehr Substanz vorhanden und die technologische Entwicklung hat einen Quantensprung gemacht. Zugleich ist mein Eindruck, dass im Moment vor allem Konzerne mit ihren hohen Erwartungen an die eigenen Startup-Aktivitäten wie Corporate Venture Capital, Gründerwettbewerbe und Accelerator, immer öfter ernüchtert werden. Ein buntes Innovation Lab als Showcase in Berlin aufmachen und bisschen Startups pitchen zu lassen, sichert noch längst nicht die eigene digitale Transformation.

Wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen dem SpinLab-Team weiterhin viel Erfolg!

 

 

 

 

 

https://www.rfh-koeln.de/aktuelles/meldungen/2018/accelarator_ranking/index_ger.html


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