08.03.2019

Weltfrauentag – Portrait von Ingrid Lohse und Bettina Gaab, Interim Managerinnen und Partnerinnen der taskforce

Zum diesjährigen Weltfrauentag möchten wir Ihnen zwei unserer Partnerinnen vorstellen.

Seit vielen Jahren arbeiten Ingrid Lohse und Bettina Gaab in unterschiedlichen Branchen und Positionen als Interim Managerinnen. Im Interview berichten sie von ihren Erfahrungen im Interim Management und äußern sich zu Themen wie Leadership und Frauen in Führungspositionen.

Auf welche Schwerpunkte fokussiert Ihr Euch in Eurer Tätigkeit als Interim Managerinnen?

Ingrid Lohse: Meine Schwerpunkte sind Vertrieb & Marketing, strategische Geschäfts- und Marktentwicklung, General Management.

Bettina Gaab: Ich fokussiere mich auf CIO, IT-Leitungen, Digitalisierung und darauf, Unternehmen in Transformationen, Restrukturierungen usw. zu begleiten.

Was macht für Euch gute Führung und effektives Management aus?

Ingrid Lohse: Für mich bedeutet gute Führung Verlässlichkeit und Klarheit; Teams und Mitarbeiter müssen Strategien, Ziele und Herausforderungen klar verstehen und müssen sehen, dass das Management diese lebt und verfolgt; Authentizität im Umgang und auf die Zielgruppe gerichtete Kommunikation sind dabei elementar.

Bettina Gaab: Gute Führung und effektives Management ist immer situationsabhängig und muss an die besondere Situation im Unternehmen angepasst werden. Ein Element gehört jedoch zu jeder Form der Führung dazu: Respekt gegenüber allen Menschen, denen man im Unternehmen begegnet. Respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern, Peers und Auftraggebern hat mir schon in vielen Situationen geholfen, gerade wenn es hieß ein bestimmter Mitarbeiter, Kollege oder ein ganzes Team wären schwierig. Respektvolle, team- und ergebnisorientierte Zusammenarbeit führt nach meinen Erfahrungen am besten zur Zielerreichung.

Was schätzt Ihr besonders am Interim Management?

Ingrid Lohse: Das Umfeld, in denen Unternehmen agieren, ist zunehmend geprägt von hoher Dynamik - die vielzitierte VUCA Welt ist für uns alle Realität. Transformation ist an der Tagesordnung, damit steigen die Anforderungen an das Management hinsichtlich strategischem, funktionalem und interpersonellem Skillset. Interim Manager können Unternehmen in Zeiten der Transformation „on Demand“ und zeitlich beschränkt mit ihrem spezifischen Skillset verstärken, um notwendige StepChanges einzuleiten und zu implementieren. Der schnell sicht- und spürbare Nutzen des Interim Managers in diesen Situationen ist sowohl für Unternehmen wie auch für den Interim Manager ein Gewinn. 

Bettina Gaab: Die Abwechslung und die Unabhängigkeit. Durch die Abwechslung schleicht sich keine Routine in die Arbeit, ich muss jeden Tag 100% dabei sein, um die Aufgabe zu erfüllen. Die Unabhängigkeit gibt mir eine gewisse Distanz zu den Aufgaben. Ich habe die Möglichkeit die Strukturen und Themen einmal von innen zu betrachten, sie aber gleichzeitig auch als Außenstehende zu sehen. Zusammen mit meinen unterschiedlichsten Erfahrungen kann ich dadurch Lösungswege aufzeigen, die man vielleicht mit einer rein internen Sicht nicht gesehen hätte. Außerdem bin ich nicht Teil der unternehmensinternen Hidden Agenda. Ich will keine Beförderung oder bin Konkurrent um eine Position. 

Was macht für Euch ein interessantes Projekt aus?

Ingrid Lohse: Die Dimension der Herausforderung.

Bettina Gaab: In einem interessanten Projekt kann ich etwas bewegen und ich lerne selber etwas dazu. Für die Verwaltung eines Ist-Zustands wäre ich nicht die richtige Person.

Was hindert Eurer Meinung nach Unternehmen daran, Frauen in Führungspositionen zu beschäftigen?

Ingrid Lohse: Die fehlende Visibilität der Potentiale; Frauen sind selten im „Boys Network", aber das bessert sich durch z.B. LinkedIn. Trotzdem muss ich auch feststellen, dass es noch immer zu wenig Frauen gibt, die sich auf ihrem Karriereweg genug zutrauen und damit die nächsten Level nicht erreichen. 

Bettina Gaab: Ich glaube, es kommen noch immer zu wenige Frauen bis auf eine bestimmte Ebene, aus der zukünftige Führungskräfte rekrutiert werden. 
Bei allen Bemühungen, durch Kinderbetreuung auch Frauen berufliche Entwicklung zu ermöglichen, macht die Formulierung schon deutlich, dass Kinderbetreuung fast immer noch ein Frauenthema ist und kein Elternthema. Wenn Frauen zur Betreuung von Kindern ihren beruflichen Einsatz reduzieren, ist das gesellschaftlich akzeptiert bzw. es wird von ihnen erwartet. Wenn Männer das tun, wird das häufig sehr kritisch gesehen und der Mann gleich aussortiert.
Die Frauen merken erst später, wenn sie vielleicht wieder voll durchstarten wollen, dass sie irgendwo den Anschluss verpasst haben. Solange nicht akzeptiert ist, dass Kinder und berufstätige Eltern kein Einzelschicksal sind, sondern eine gesellschaftliche Thematik, wird sich daran nicht viel ändern. Insbesondere wenn sich an das Thema Kinderbetreuung nahtlos das Thema Betreuung der eigenen Eltern anschließt, was ebenfalls häufig als Frauenthema gesehen wird.
Außerdem fehlen jungen Frauen noch immer gute Vorbilder im Berufsleben, und nicht jeder Frau macht es Spaß, als einzige Frau im Männerumfeld zu arbeiten. 

Was ist die besondere Herausforderung als Interim Managerin?

Ingrid Lohse: Tatsächlich denke ich, dass die Herausforderungen der „...in“ nicht anders ist als die der männlichen Kollegen. Der Fokus auf die Lösung der Aufgabe steht im Mittelpunkt und es ist unsere Aufgabe, unser Skillset optimal einzusetzen. Authentizität und Professionalität lassen eventuelle gender-bedingte Vorbehalte sehr schnell in den Hintergrund treten bzw. gar nicht erst auftauchen.

Bettina Gaab: Ich glaube nicht, dass für Interim Managerinnen die Herausforderungen anders sind als für Interim Manager. Wenn man diesen Schritt gegangen ist, dann hat man die oben genannten Überlegungen und Probleme hinter sich gelassen.
Meine persönliche Herausforderung ist die fehlende Planungssicherheit. Das ist der Preis für die Freiheit und Abwechslung. So schön wie es ist immer wieder etwas Neues zu machen, es bedeutet aber auch, dass ich immer wieder bereit sein muss meine persönliche Planung auf das jeweilige Mandat abzustimmen. Am Anfang waren auch die vielen Reisen belastend, inzwischen stört mich das nicht mehr und Verspätungen von Fliegern oder Zügen werden mit interessanten Büchern überbrückt.

 

Vielen herzlichen Dank für das sehr interessante Interview Ingrid und Bettina.

Folgen Sie der taskforce gerne auf Linkedin für Themen rund um das Interim Management.


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