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29. Juni 2026

Restrukturierung neu denken: Warum Portfoliobereinigungen strategisch nachhaltiger wirken als Entlassungen

Von unserem Partner und Interim Executive Dr. Heinrich Schülen

Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer stehen unter massivem Druck: Absatzschwäche, steigende Kosten, hoher Entwicklungs- und Investitionsbedarf sowie die wachsende Konkurrenz aus China zwingen viele Unternehmen zur Restrukturierung. Häufig wird dieser Begriff jedoch mit Personalabbau gleichgesetzt – und damit mit dem Verlust wertvollen Know-hows. Doch es gibt auch andere wirksame Bausteine einer Restrukturierung wie die strategische Neuausrichtung des Produktportfolios.

Gute Deckungsbeiträge von guten Produkten sind Grund genug, das Portfolio regelmäßig zu überprüfen und sich konsequent von unprofitablen Produkten zu trennen, um sie durch aussichtsreichere zu ersetzen. Gerade der Produktionsaufbau chinesischer Hersteller in Europa eröffnet neue Chancen für europäische Zulieferer. BYD in Szeged mit zunächst geplanten 150.000 Einheiten p. a. oder CATL, das in Debrecen 7,6 Mrd € investiert, sind Beispiele dafür. Solche neuen Produktionsstandorte können Unternehmen Zugang zu zusätzlichen Aufträgen schaffen. Und veränderte Arbeitsweisen, wie z. B. neue Anforderungen an das Qualitätswesen, die Modularisierung oder das Management von Lieferfähigkeit trotz volatiler Abrufe liefern wichtige Lernimpulse. Wer sich früh positioniert, kann hier rückläufige Volumina kompensieren.

In den meisten Restrukturierungssituationen, zu denen wir gerufen werden, folgt gleich nach unmittelbar wirkenden Liquiditäts- und Ertragsmaßnahmen der Blick in die Zukunft: Mit welchen Produkten und Leistungen wird das Unternehmen künftig Erträge erwirtschaften? Auf Grundlage einer fundierten Portfolioanalyse können belastbare Entscheidungen über Streichungen, Neuentwicklungen, Investitionen oder Preis­anpassungen getroffen werden. Dazu gehört ein ganzer Katalog von Fragen zu Umsatz, tatsächlichen Deckungsbeiträgen aller Produkte, der Bedeutung für Kundenbeziehungen, dem Lebenszyklus, den Risiken durch Lieferketten, Regulierung oder der Volatilität der Abrufe. Eine besondere strategische Relevanz haben Diversifikationen, z. B. in Komponenten für die Verteidigungsindustrie, für die Medizintechnik oder den Maschinenbau – alles Entscheidungen, die wir in enger Zusammenarbeit mit dem Management, den Fachbereichen und dem Betriebsrat um- und durchsetzen.

Die Praxis unserer Mandate zeigt: Unternehmen, die ihr Portfolio regelmäßig hinterfragen, ggf. konsequent bereinigen und auf profitable Zukunftsfelder ausrichten, schaffen eine wesentliche Grundlage für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit. Restrukturierung bedeutet dann nicht in erster Linie Stellenabbau, sondern die gezielte Konzentration auf jene Produkte und Leistungen, die auch zukünftig profitabel sind.

Sprechen Sie uns gerne darauf an, wie wir in Ihrem Fall vorgehen würden.

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