Wir beschleunigen die Vermittlung von Wochen auf wenige Tage
Mit KIEDIS startet die taskforce AG eine eigenständige Plattform für die KI-gestützte Vermittlung von Interim Managern, spezialisierten Expertinnen und Experten sowie Business Freelancern. Jens Christophers und Kristin Gölkel, Co-CEOs von taskforce und KIEDIS, über einen Arbeitsmarkt im Umbruch, KI als Vermittler – und die Frage, was am Ende doch nur Menschen entscheiden können.
Jens und Kristin ihr führt mit der taskforce AG seit vielen Jahren ein sehr erfolgreiches Unternehmen: Warum braucht es KIEDIS gerade jetzt?
Jens Christophers: Weil sich der Arbeitsmarkt gerade grundlegend verändert. Unternehmen bauen Stellen ab, vor allem im mittleren Management und auf Expertenebene. Gleichzeitig steigt der Bedarf an temporären Spezialisten – durch Kostendruck, Transformation und KI. Die Kompetenzen verschwinden also nicht. Sie werden nur anders eingesetzt: flexibler, projektbezogener und kurzfristiger.
Kristin Gölkel: Und genau darauf ist die klassische Vermittlung nur bedingt eingestellt. Noch laufen viele Prozesse manuell und sind stark von einzelnen Personen abhängig. Das kostet Zeit. Technologie kann hier einen echten Unterschied machen.
Wie viel Zeit wollt Ihr für die Kunden gewinnen?
Christophers: Heute vergehen vom ersten Briefing bis zum Projektstart oft zwei bis sechs Wochen. Unser Anspruch mit KIEDIS sind zwei bis drei Tage.
Gölkel: Der entscheidende Punkt ist dabei: Wir digitalisieren nicht nur die Suche. KIEDIS begleitet den gesamten Prozess – vom Briefing und Matching über das Kennenlernen und den Vertrag bis zu Onboarding, Dokumentation und Abrechnung.
Vertrauen lässt sich nicht programmieren
Das klingt nach einer Herausforderung der klassischen Vermittlung?
Christophers: So verstehen wir es nicht. Technologie ist nicht immer und überall die bessere Lösung...
Gölkel: Genau. Auf der C-Level-Ebene bleibt persönliche Vermittlung entscheidend. Wenn es um einen CEO, CFO oder COO geht, sind Erfahrung, Vertrauen und die Einschätzung einer konkreten Situation nicht durch einen Algorithmus zu ersetzen.
Wo liegt dann die Stärke von KIEDIS?
Gölkel: Dort, wo Anforderungen strukturiert werden können und ein großer Kandidatenpool schnell durchsucht werden muss. Unser Fokus liegt auf der zweiten und dritten Führungsebene, auf Expertenrollen und Business Freelancern.
Christophers: Gerade dort entsteht viel öfter und viel kurzfristiger Bedarf – etwa bei Transformation, Restrukturierung, Digitalisierung oder Wachstum.
Was kann die KI, was ein Mensch nicht so schnell kann?
Gölkel: Sie kann sehr große Mengen an Informationen in kurzer Zeit strukturieren und vergleichen. KIEDIS nutzt mehrere Large Language Models, darunter Claude, Gemini, Mistral und LLAMA. Sie übernehmen unterschiedliche Aufgaben – von der Analyse von Lebensläufen und Projektanforderungen bis zum Matching und zur Qualitätssicherung.
Warum gleich mehrere Modelle?
Gölkel: Weil jedes Modell andere Stärken hat. Wir orchestrieren sie so, dass sie sich ergänzen und Ergebnisse gegenseitig überprüfen.
Und welchen Reifegrad hat die KIEDIS-Architektur?
Gölkel: Wir sind bereits sehr zufrieden mit dem Erreichten und überzeugt, dass das unsere Nutzer genauso erleben werden. Aber da sich digitale Technologien noch schneller verändern als die Marktbedingungen, haben wir die Systeme von vorneherein so aufgesetzt, dass sie sich mit jedem Match verbessern und weiterentwickeln.
Christophers: Selbstverständlich kann die KI nicht entscheiden, wer eingestellt werden soll. Sie reduziert jedoch die Zahl ungeeigneter Vorschläge und schafft so eine bessere Grundlage für die Entscheidung. Ob Persönlichkeit, Kultur und Projektsituation zueinander passen, müssen am Ende wieder Menschen beurteilen.
Technologie allein reicht im Personalgeschäft nicht aus
Was bleibt bei KIEDIS bewusst analog?
Christophers: Die alles entscheidende persönliche Einschätzung. Gerade bei wichtigen Mandaten geht es um mehr als Lebenslauf und Kompetenzprofil.
Gölkel: Das ist auch der Grund, warum unsere Herkunft eine Rolle spielt. taskforce ist seit 2007 im Interim Management aktiv und hat mehr als 2.000 Projekte und Mandate besetzt.
Ihr setzt also auf Erfahrung als Wettbewerbsvorteil?
Christophers: Unbedingt. Technologie allein reicht im Personalgeschäft nicht aus. Menschen geben uns sensible berufliche Daten, Unternehmen vertrauen uns wichtige Projekte an. Dieses Vertrauen kann man nicht programmieren. Unser Netzwerk und unsere Datenbasis sind über viele Jahre gewachsen.
Gerade bei KI dürfte auch Datenschutz ein neuralgischer Punkt sein...
Gölkel: Absolut. Deshalb war Datenschutz von Anfang an ein zentraler Teil der Architektur. KIEDIS arbeitet auf einer privaten europäischen Infrastruktur. Sensible Daten werden abgeschirmt verarbeitet und nicht an öffentliche KI-Modelle übertragen.
Ihr versprecht 15 Prozent niedrigere Vermittlungskosten. Wir wird das erreicht?
Christophers: Ganz klar durch Effizienz. Die direkten Vermittlungskosten liegen bei KIEDIS rund 15 Prozent unter denen einer rein manuellen Vermittlung. Nicht gespart wird an den Qualitätsstandards, denn ohne Qualität bringt Effizienz unseren Kunden keinen Nutzenvorteil.
Gölkel: Im Gegenteil. Profile werden strukturiert und standardisiert, sodass Qualifikationen, Erfahrungen und Verfügbarkeit besser vergleichbar sind. Ein großer Datenbestand allein bringt schließlich noch kein gutes Matching.
Wie groß ist der Kandidatenpool von KIEDIS?
Christophers: Zum Start greifen wir auf rund 4.000 Profile von Interim Expertinnen und Experten sowie Business Freelancern zurück. Bis Ende 2026 sollen es etwa 6.000 sein. In den kommenden drei Jahren wollen wir auf rund 85.000 wachsen.
85.000, das klingt ambitioniert.
Gölkel: Ja – aber Größe ist nicht das eigentliche Ziel. Ein riesiger, nicht kuratierter Pool hilft niemandem. Wir wollen Reichweite und Datenqualität gleichzeitig steigern.
Warum habt Ihr KIEDIS als eigene AG gegründet und nicht einfach als neues Angebot von taskforce gestartet?
Christophers: KIEDIS ist keine digitale Kopie von taskforce, sondern ein Unternehmen mit eigenständigem Geschäftsmodell und klaren Wachstumszielen.
Gölkel: Gleichzeitig starten wir nicht bei null, sondern greifen auf die Erfahrung, das Netzwerk und die Reputation von taskforce zurück. Genau in dieser Kombination aus Eigenständigkeit und gewachsenem Fundament sehen wir das enorme Erfolgspotenzial für KIEDIS.
Wie viel Geld steckt bislang in dem Unternehmen?
Christophers: In den vergangenen zwölf Monaten haben wir einen deutlich siebenstelligen Betrag aus Eigenmitteln der taskforce AG investiert. Das heißt, dass auch wir beide persönlich erheblich investiert sind. Parallel bereiten wir eine erste Finanzierungsrunde vor. Das zusätzliche Kapital soll vor allem in den Ausbau von Marketing und Vertrieb sowie die technologische Weiterentwicklung fließen.
Und wann wird aus dem deutschen Projekt ein internationales?
Gölkel: Nicht zu früh. Zunächst wollen wir KIEDIS im DACH-Raum erfolgreich etablieren. Internationalisierung ist perspektivisch wichtig, aber erst dann sinnvoll, wenn die Plattform im Heimatmarkt stabil funktioniert. Deshalb rechnen wir damit nicht vor Ende 2027.
Werfen wir zum Schluss einen Blick in die Zukunft: Wo steht KIEDIS Ende 2029?
Gölkel: Unser Ziel ist, zur zentralen Plattform für Interim Management unterhalb des C-Levels sowie für spezialisierte Expertinnen, Experten und Business Freelancer zu werden.
Christophers: Unternehmen sollen innerhalb weniger Tage genau die Kompetenzen finden, die sie gerade brauchen. Gleichzeitig wollen wir Fach- und Führungskräften neue, flexible berufliche Perspektiven eröffnen. Wenn uns beides gelingt, haben wir nicht einfach einen bestehenden Vermittlungsprozess digitalisiert. Dann haben wir den Markt ein Stück weit neu organisiert.
Über KIEDIS
Die KIEDIS AG ist eine eigenständige Aktiengesellschaft mit Sitz in München und wurde aus der taskforce AG heraus gegründet. Die KI-gestützte Plattform vermittelt temporäre Führungskräfte der zweiten und dritten Ebene, spezialisierte Expertinnen und Experten sowie Business Freelancer. Sie bildet den gesamten Prozess vom Briefing und Matching über das Vertragsmanagement bis zur Abrechnung digital ab.
Die taskforce AG ist seit 2007 im Interim Management tätig und hat mehr als 2.000 Projekte und Mandate besetzt. Besonders herausgehobene C-Level-Mandate betreut taskforce weiterhin individuell und persönlich.
