11.02.2021

Wie in anderen Funktionen und Branchen übernehmen auch im Interim Management immer mehr Frauen Verantwortung als professionelle Managerin auf Zeit. Mit Ingrid Lohse, erfahrene INTERIM EXECUTIVE, und Ilka Herzog, Mitglied der Geschäftsleitung, haben wir zwei erfahrene Managerinnen zu ihren Einschätzungen dieser Entwicklung befragt.

Immer mehr Frauen sind im Interim Management tätig. Woran liegt das aus Eurer Sicht?

Ilka Herzog: Ich bin seit über zehn Jahren in diesem Markt aktiv und beobachte das Phänomen auch. Erfolgreiche Managerinnen sind exzellent ausgebildet, haben über viele Jahre Bereiche, Projekte und Unternehmen erfolgreich geführt und mit ihren Teams erhebliche Wertbeiträge geleistet. Erst mit diesem umfassenden Know-how können sie sich als Interim Managerinnen selbstständig machen und erfolgreich tätig sein. Nach meiner Wahrnehmung spiegeln sich die Veränderungen unserer Gesellschaft auch im Interim Management. So standen bis vor einigen Jahren im Wesentlichen Männer an der Spitze von Unternehmen. Heute sehen wir zunehmend auch großartige Frauen an oberster Stelle in Führungsrollen. Wenn diese Frauen ihren Weg im Angestelltenverhältnis im Unternehmen gegangen sind und sich dann entscheiden, sich selbstständig zu machen, ist Interim Management eine hervorragende Option für sie. In einigen Situationen setze ich ganz bewusst Frauen bei meinen Kunden ein und freue mich, dass ich inzwischen auf einen großen Pool von exzellenten Interim Managerinnen zugreifen kann. Die Erfahrung zeigt, dass manche festgefahrenen Strukturen gerade durch einen anderen Führungsstil - und den haben Frauen meistens - aufgebrochen werden und verändert werden können.

Ingrid Lohse: Ob Frauen im Interim Management insgesamt aufholen, kann ich persönlich nicht beurteilen. In unserem Partnerkreis haben wir diesbezüglich noch deutlich Luft nach oben. Wenn es aber mehr Frauen im Interim Management gibt, dann weil erstens die Nachfrage spezifisch nach Frauen als Führungskräfte und ihren spezifischen Fähigkeiten steigt und zweitens, weil Frauen sich immer mehr (zu)trauen, herausfordernde Positionen und Mandate zu übernehmen. In meinem aktuellen Mandat ist jedenfalls das „Frau-Sein“ durchaus ein Vorteil – weil hier neben langjähriger Erfahrung und fachlichem Know-how auch die Fähigkeit gefragt ist, als empathische und zugleich führungsstarke Mediatorin und Koordinatorin zu fungieren.

Was würde unsere Branche für Frauen noch attraktiver machen?

Ingrid Lohse: Ich denke, dass viele Managerinnen die Vorteile - und natürlich auch die Herausforderungen - des Interim Managements noch gar nicht wirklich kennen. Das ist ein Feld, das ein großer Player im Markt wie die taskforce ausbauen sollte, um auf Chancen und Perspektiven dieser Profession aufmerksam zu machen. So ließen sich z.B. über Social Media Beiträge teilen und Dialoge anregen. Was die Mandate betrifft, so können Frauen ihre Führungs- und Umsetzungsfähigkeiten zeigen, ohne dabei auf die oft noch bestehenden „Buddy-Netzwerke“ angewiesen zu sein. Das entlastet die Managerinnen enorm. Dem Auftraggeber ist es nämlich vollkommen gleich, ob eine Frau oder ein Mann sein Problem löst. Hauptsache es passiert - schnell, effektiv und nachhaltig.

Ilka Herzog: Ich fange mal bei den Voraussetzungen im Umfeld an: Karriere und die Tätigkeit als Interim Managerin erfordern viel Flexibilität und Kraft sowie gutes Networking. Ganz allein schafft man den Weg nicht. Wir alle wissen, dass ein guter Mentor, der einen auf dem Weg begleitet, elementar sein kann für die Frage, ob sich Erfolg einstellt. Wenn Frauen nach erfolgreicher Ausbildung ihren Weg in das Berufsleben gehen, stellt sich den meisten über kurz oder lang die Frage nach der Familienplanung. Wenn dann geklärt ist, ob frau eine „Working Mom“ sein will, braucht es vor allem ein großes Organisationstalent der Eltern und die entsprechenden finanziellen Ressourcen, um optimale Unterstützung zu organisieren. Damit wären die Grundlagen für eine erfolgreiche Karriere und spätere Tätigkeit als Interim Managerin gelegt.

Was die Möglichkeiten anbelangt, Interim Management insgesamt für Frauen attraktiver zu machen, denke ich, dass es keine Geschlechterfrage, sondern vielmehr eine Typ-Frage ist: Ist die Unabhängigkeit, die diese Tätigkeit mit sich bringt, attraktiv für mich? Verfüge ich über die essenzielle Fähigkeit, dauerhafte Netzwerke zu knüpfen und zu pflegen? Habe ich das nötige Maß an Unabhängigkeit, Mut und vor allem Energie? Wenn wir mehr Frauen ins Interim Management bringen wollen, müssen wir uns nach denen umsehen, die Spaß an immer neuen Herausforderungen haben, die unabhängig sind und vor allem exzellente Führungskompetenzen mitbringen. Ich denke, diese Attribute sprechen für sich und sind für sehr viele Managerinnen genauso attraktiv, wie für ihre männlichen Kollegen.

Wie siehst du die Zukunft für Frauen im Interim Management?

Ilka Herzog: Auch hier würde ich nicht zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Je stärker eine unabhängige unternehmerisch denkende Führungskraft gefragt ist, um Unternehmen nach vorne zu bringen, Transformationen umzusetzen oder durch sichere Leitung von Projekten einen Mehrwert zu generieren, desto mehr Einsatzmöglichkeiten sehe ich für Interim Manager, ganz unabhängig von ihrem Geschlecht. Wichtig ist, dass der- oder diejenige die erforderlichen Kompetenzen mitbringt und diese im richtigen Moment auch abrufen kann. Insofern sehe ich in Zukunft viele Einsatzmöglichkeiten genauso für Frauen und würde mir wünschen, wenn sich viele unserem Netzwerk anschließen. So könnten wir bei der taskforce mehr profilierte Managerinnen auf unserer Seite vorstellen und mit ihnen und ihrem Netzwerk arbeiten. So, wie wir es bereits jetzt in kleinerem Kreis machen.

Ingrid Lohse: Auch ich sehe die Zukunft für weibliche Manager mindestens genauso gut wie für Männer. Unternehmen werden zunehmend flexible Management- und Know-how-Ressourcen brauchen und Interim Management bekommt ein zunehmend positives Image. Davon können und werden alle profitieren, die daran teilnehmen möchten. Last but not least: Auch die Kunden werden immer diverser und suchen daher im Bedarfsfall nach interimistischen Lösungen, die zu ihren Teams und ihrer Führungskultur am besten passen.

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