22.07.2019

taskforce Partnerin Ilka Hars spricht mit dem neuen Senior Advisor der Sozietät Jörg Rabe von Pappenheim.

Jörg, wir freuen uns sehr, Dich zum Kreis der Senior Advisor der taskforce zählen zu dürfen. Wie siehst Du Deine Rolle und was ist Dir mit frischem Blick auf unsere Sozietät besonders ins Auge gefallen?

Ich denke, Impulsgeber ist die passende Beschreibung der Rolle eines Senior Advisors. Ich möchte meine Kontakte und meine Erfahrung in der Industrie einbringen, um die Aktivitäten der taskforce zu unterstützen.

Als Erstes ist mir aufgefallen, dass die Stimmung innerhalb der taskforce einerseits ansteckend offen und menschlich ist, andererseits aber auch sehr professionell – man spürt einen ganz besonderen Spirit. Ihr nehmt Euch in der Geschäftsleitung viel Zeit für die Auswahl von Partnern und Mitarbeitern. Ich selbst habe mehrere intensive Gespräche mit Euch geführt, bevor wir uns für eine Zusammenarbeit entschieden haben.

Als Personalverantwortlicher in internationalen Konzernstrukturen hast Du selbst Interim Manager beauftragt. Wie waren Deine Erfahrungen mit diesem Instrument?

Immer wenn es galt, kurzfristig eine Besetzung einer Vakanz zu finden, war Interim Management eine naheliegende und erfolgsversprechende Lösung. Während viele Unternehmen gerade im Mittelmanagement die Besetzung von Führungs- und Projektfunktionen aus den eigenen Reihen bevorzugten, stoßen sie heute an Grenzen, weil man intern keine geeigneten Kandidaten hat. Für die Top-Ebenen trifft dies noch häufiger zu. Quereinsteiger bringen zudem frischen Wind mit. Die externe Kandidatensuche für eine Festanstellung dauert in der Regel mindestens ein Jahr und stellt zugleich eine ziemlich risikoreiche Investition dar. Interim Manager sind dagegen kurzfristig verfügbar und das Unternehmen kann umgehend reagieren und ist sofort handlungsfähig.

Im Kern sehe ich fünf wesentliche Vorteile des Interim Managements:

  1. Schnelle Verfügbarkeit:
    Die Auswahl- und Besetzungsprozesse dauern in der Regel nicht länger als ein bis zwei Wochen, ohne dass die Qualität des Auswahlprozesses darunter leidet.
  2. Erfahrung:
    Branchen-, situations- und anforderungsspezifische Umsetzungserfahrung sowie Fach- und Management-Expertise je nach Bedarf des Auftraggebers werden im Kandidatenprofil abgebildet.
  3. Zielorientierung:
    Der Interim Manager verfolgt keine Partialinteressen oder persönliche Karriereziele beim Auftraggeber, sondern konzentriert sich voll auf die erfolgreiche Auftragserfüllung.
  4. Kostentransparenz:
    Die Kosten des temporären Einsatzes sind präzise kalkulierbar. Vertragliche Nebenkosten eines Dauerdienstverhältnisses wie Sozialabgaben, Dienstwagen etc. fallen i.d.R. nicht an.
  5. Leadership: Ein Interim Manager kann Menschen motivieren, mit Stakeholdern auf Augenhöhe kommunizieren und Machbares in kurzer Zeit realisieren.

Und wie beurteilst Du insgesamt die Entwicklungspotenziale des Interim Managements in Deutschland und Europa?

Ich bewerte die Chancen für Interim Management als äußerst positiv. Das gilt für Deutschland, aber auch für andere europäische Länder. Interim Management ist insbesondere im englischsprachigen Raum und den Benelux-Staaten bereits seit den 1970er Jahren ein anerkanntes Instrument. In Deutschland entwickelte es sich deutlich später. Seit der Jahrhundertwende nahm es hier einen deutlichen Aufschwung und hat im europäischen Vergleich inzwischen die Pool-Position übernommen. Das Marktvolumen hierzulande hat bereits die Marke von zwei Milliarden Euro Umsatz pro Jahr überschritten.

Obwohl es bislang kaum einschlägige Urteile in Bezug auf Interim Mandate gegeben hat, fürchten manche Unternehmen das Thema Scheinselbstständigkeit als Damoklesschwert.

Ohne das hier nur annähernd erschöpfend behandeln, geschweige denn rechtliche Ratschläge geben zu können, kommt es maßgeblich auf klare inhaltliche und vertragliche Regelungen an. Entscheidend ist aber letztlich immer die Praxis. Interim Manager der ersten Führungsebene sowie klassische Projekt- und Programmmanager sind definitiv nicht entscheidungsgebunden, sondern verantworten die Ergebnisse Ihres Mandates gegenüber dem Kunden. Es handelt sich daher eindeutig um eine Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehung. Alleine die Höhe der Honorare sowie die Kürze und Abgeschlossenheit der Mandate sind klare Indikatoren für reguläre Selbständigkeit.

Neben Deinen Aufgaben als Referent, Dozent und Aufsichtsrat berätst Du heute Unternehmen mit Schwerpunkt Transformation der Arbeitswelt. Wie werden sich diese Veränderungen aus Deiner Sicht auf das Interim Management Geschäft auswirken?

Die Marktbedingungen, unter denen Unternehmen heute operieren, haben sich im globalen Innovations- und Tempowettbewerb mit seinen teils disruptiven Effekten weiter verschärft. Die unvermeidbare digitale Transformation ist dabei nicht nur eine Technologie-, sondern vor allem auch eine Kulturfrage. Parallel hat sich der Arbeitsmarkt zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt. Arbeitgeberattraktivität ist zum strategischen Erfolgsfaktor geworden, um Personal zu gewinnen und zu halten. Mit der fortschreitenden Digitalisierung verändert sich die Arbeitswelt rasant weiter. Die klassische Arbeitsorganisation auf Basis der tayloristischen Grundidee ist längst an ihre Grenzen gestoßen. Agilität, Flexibilität, autonome Teams und fluide Organisationen sind die Stichworte des kommenden Jahrzehnts.

Um eine High-Performance-Organisation zu etablieren, müssen Unternehmen neue Wege gehen. In komplexen Veränderungssituationen benötigen sie auf kurzem Wege geeignete strategische Kompetenzen und erfahrene Manager mit einer unvoreingenommenen Sicht. Insbesondere bei Themen wie Geschäftsmodellentwicklung, Post-Merger-Integration, Restrukturierung, Change-Prozesse oder komplexen IT-Projekten zeigen sich die Stärken von Interim Managern, die diese Erfahrungen mitbringen und 'hands-on' bei der Problemlösung unterstützen.    

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Jörg Rabe von Pappenheim hat 35 Jahre Erfahrungen als Topmanager. Über unterschiedliche Unternehmensstrukturen und Branchen hinweg galt sein berufliches Wirken vor allem der strategischen Transformation, der kulturellen und strukturellen Erneuerung sowie der Professionalisierung des Personalmanagements.

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